Erzgebirgische Volkskunst ist weltbekannt...

Jahrhundertealte, lebendige Traditionen, bergmännisches Brauchtum vergangener Zeiten, handwerkliches Geschick und die tiefe Liebe des Erzgebirgers zu seiner Heimat haben unverwechselbar und unnachahmlich die schönen Erzeugnisse des volkskünstlerischen Schaffens im Erzgebirge geformt.

Pyramiden, Hängeleuchter (Leuchterspinnen) und Schwibbogen sind traditionell überlieferte Elemente des Brauchkreises um Weihnachten und am Jahresende, in denen das Licht für den Menschen Hoffnung auf ein gutes Jahr, auf Gesundheit, soziale Geborgenheit und Frieden ausdrückt.

Historisch belegt ist, dass erzgebirgische Volkskünstler aus einer bereits früher in verschiedenen deutschen Landschaften vorhandenen Altform der Pyramide erst um 1800 die für das Erzgebirge charakteristische Drehpyramide entwickelten. Sicher hat dabei das Prinzip des im Bergbau seit 1500 gebräuchlichen Pferdegöpels den Schnitzer zur Gestaltung angeregt.

Ganz allgemein verstehen wir unter Pyramiden mit Kerzen oder Öllämpchen und Schmuckwerk versehene Holzgestelle, deren vier Streben mit Buntpapier oder immergrünen Zweigen umwickelt sind. Diese einfache Pyramidenform ist der Vorläufer des Tannenbaums. Ursprünglich war sie zum Aufhängen an der Decke bestimmt und damit der Lichterkrone (Leuchterspinne) verwandt.

1954 wurde von meinem Großvater, Fritz Reuter, die "Greifensteinpyramide" entworfen. Als natürliches Vorbild dienten dabei die Greifensteine, ein beliebtes Ausflugsziel und Naherholungsgebiet, unweit von Jahnsbach. Auf einem Berg gelegen türmen sich inmitten des Erzgebirgswaldes Granitfelsblöcke 32 m hoch. Diese Natursehenswürdigkeit ist in einem Lindenholzstamm als Pyramide nachgebildet.

1989 eröffnete mein Vater, Edgar Reuter, seinen Handwerksbetrieb für Erzgebirgische Holzschnitzerei und Drechslerei. In zwei kleinen Räumen begann er Pyramiden, Leuchter, Grünpflanzenständer, Leuchterspinnen und allerlei Sonderanfertigungen herzustellen. In diesen zwei Räumen gab es eine Fläche von 8 m² für den Verkauf. Nach der Wende entstand das "Schnitzer Häusl" mit Parkflächen für die Kunden. Später folgte ein Werkstattanbau und ein großer Schauer für Holzlagerung und Maschinen. In den 90er Jahren zählte der Handwerksbetrieb 16 Mitarbeiter. Edgar Reuter entwarf eine Vielzahl an geschnitzten Tisch-, Wand- und Hängepyramiden, verschiedene geschnitzte Schwibbogen und die Greifensteinpyramide wurde erweitert durch ein Bergwerk oder Fuchsbau und elektrischen Antrieb.

2009 konnten wir das 20-jährige Betriebsjubiläum begehen. Danach übernahm ich von meinem Vater, der in den Ruhestand ging, den Handwerksbetrieb. Er besteht derzeit aus folgenden Bereichen:

- Schnitzer Häusl Reuter (der Einzelhandel für hochwertige Erzgebirgische Volkskunst)

- Schnitzer Häusl Reuter Shop (der Internethandel)

- Schnitzer Häusl Reuter Werkstatt (die Produktion, Holzschnitzerei)

- Großhandel (mit dänischen Teelichtern in der Acrylhülle)